Grande-Île

Auf einer Insel des Flusses Ill, der Grande-Île, konzentrieren sich im Spannungsfeld von französischer und deutscher Kultur historische Bauwerke und bilden einen harmonischen Stadtkern, der 1988 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde.

Die Grande-Île Straßburgs: ein herausragendes Erbe

Die Grande-Île in Straßburg bildet ein städtebauliches Ensemble, das für die Entwicklung Europas charakteristisch ist: Vom Mittelalter bis heute unterlag die Grande-Île dem Einfluss verschiedener Kulturen und dem fruchtbaren Austausch von Politik und Religion.

Die von der Ill und dem Canal du Faux-Rempart (Falschwallkanal) umschlossene Grande-Île ist das historische Zentrum der Elsass-Metropole und war stets eine Hochburg von Handel und Ideenaustausch. Ihre Entwicklung wurde durch den einstigen Status Straßburgs als befestigte Stadt an der Grenze des Königreichs Frankreich und des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation geprägt.

Das befestigte Römerlager Argentoratum, aus dem die Stadt erwuchs, und die aufeinanderfolgenden Erweiterungen der Stadtmauer haben auf der Grande-Île Spuren hinterlassen.

Auf engem Raum konzentriert sich auf der Ill-Insel ein historisches Ensemble an wertvollen Bauwerken. Das Straßburger Münster, die „Liebfrauenkirche“, bildet mit dem Œuvre Notre-Dame, dem Palais Rohan und den mittelalterlichen Kirchen St-Thomas, St-Pierre-le-Vieux, St-Pierre-le Jeune und St-Etienne ein geschlossenes bauliches Erbe. Diese Bauten erscheinen nicht wie isolierte Denkmäler, sondern als Teil eines lebendigen Viertels, in dem sich im Mittelalter die repräsentativen Ämter der Stadt konzentrierten und das sich zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert aufgrund seiner zahlreichen Wasserwege entwickeln konnte. Zwischen öffentlichen und privaten Renaissancebauten ( „Neuer Bau“ von 1585, heute die Handelskammer, „Metzig“ von 1588, heute das Historische Museum, Haus Kammerzell, 1467-1589) erheben sich Patrizierhäuser und Adelspaläste aus dem 18. Jahrhundert (das ehemalige Stadthaus der Grafen Hanau-Lichtenberg von 1735, heute das alte Rathaus, das Palais Rohan von 1742, die Aubette von 1778).

Dieses Stadtbild wurde erst mit dem großen Straßendurchbruch verändert, der Grande Percée, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den neuen Hauptbahnhof mit der Neustadt verbinden sollte.

> "Straßburgs Große Insel: Ein UNESCO-Erbe" herunterladen

> "Grande-Île und Neustadt: Die verschiedenen Einflüsse" herunterladen

> "Straßburg und Neuf-Brisach: Welterbe im Elsass" herunterladen

UNESCO-Weltkulturerbe

Das Übereinkommen der UNESCO zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt führt eine Liste, in die Stätten von außergewöhnlichem universellem Wert aufgenommen werden. 37 Stätten in Frankreich stehen zurzeit auf der Liste, darunter die Place Stanislas in Nancy und die Salinen von Arc-et-Senans.

Das Komitee der UNESCO hat sich aufgrund der Kriterien i, ii und iv für die Aufnahme der Grande-Île in die Liste der Weltkulturerbe entschieden. Diesen Kriterien gemäß muss das aufzunehmende Gut:

  • i: ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft darstellen - z.B. das Straßburger Münster als einzigartiges Kunstwerk.
  • ii: für einen Zeit- oder in einem Kulturgebiet der Erde einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf Entwicklung der Architektur oder Technik, der Großplastik, des Städtebaus oder der Landschaftsgestaltung aufzeigen - z.B. das Straßburger Münster als herausragendes Zeugnis der Gotik in Europa.
  • iv: ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften darstellen, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Menschheitsgeschichte versinnbildlichen - wie die Grande-Île als Beispiel eines städtischen Ensembles in Mitteleuropa und als herausragendes Exempel der rheinischen Architektur.

Mehr Infos zum Thema finden Sie auf der  Website des UNESCO-Weltkulturerbes


 
 
Kennzahlen

Die von der UNESCO geführte Liste des Welterbes umfasst:

  • 962 Denkmäler in 157 Ländern, davon 754 Kulturdenkmäler, 188 Naturdenkmäler  und 29 Denkmäler aus Kultur- und Naturerbe (Stand 2012).
  • In Frankreich sind das 37 Denkmäler, davon 33 Kulturdenkmäler, 3 Naturdenkmäler und 1 Kultur- und Naturdenkmal.

Quelle: Liste der Welterbestätten