Neustadt

Von 1871 bis 1918 war Straßburg Hauptstadt des Reichslandes Elsass-Lothringen. In dieser Zeit hat sich das Stadtbild komplett verändert.

Die wilhelminische Neustadt mit ihren weitläufigen Parks und Prachtvillen entstand im Norden des ehemaligen Stadtzentrums. Die historische Altstadt wurde durch Brücken und Verbindungswege in die Stadterweiterung integriert.
Die Neustadt ist ein einzigartiges Beispiel des Städtebaus im Europa des ausgehenden 19. Jahrhunderts und bietet ein eindrucksvolles Panorama der europäischen Architektur.

Heute unterliegt das Viertel einer Bestandsaufnahme, die das Ziel hat, sein reiches bauliches Erbe zu bewahren und zu betonen.

Auf einem fünf Kilometer langen Rundweg, der von der Monumentalachse zwischen dem Palais du Rhin und dem Observatorium im botanischen Garten bis an die Grenzen der Altstadt führt, kann man das Herz der Neustadt entdecken.

Geschichte der Neustadt

Nach dem Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) wurde Straßburg Hauptstadt des Reichslandes Elsass-Lothringen und der kaiserlichen Reichshauptstadt Berlin unterstellt. Als Hauptstadt benötigte Straßburg repräsentative Gebäude für die neu geschaffenen Behörden und Verwaltungen. Parallel zu dieser Modernisierung erfuhr die Stadt einen demografischen und wirtschaftlichen Aufschwung.

Die Urbanisierung war vor allem auch von militärischen Gesichtspunkten geprägt und sollte die Germanisierung des Reichslandes unterstützen.

Wichtige Daten

  • 10. Mai 1871: Unterzeichnung des Frankfurter Friedensvertrags
  • 7. April 1873: Der Straßburger Bürgermeister Ernst Lauth wird von Otto Back abgelöst
  • Herbst 1874: Das Kriegsministerium beschließt den Verlauf der neuen Befestigung
  • 1875: Beschluss der Stadterweiterung, Bau des neuen Bahnhofs und der Universität 
  • 1880: Endgültige Annahme des Bebauungsplans
  • 1883: Bau der kaiserlichen Residenz (Palais du Rhin)
  • 1889: Bau der Kirche St-Pierre-le-Jeune
  • 1892: Fertigstellung der Pont d’Auvergne
  • 1897: Fertigstellung der Kirche St-Paul

Auf Entdeckungstour in der Neustadt

Besichtigen Sie die Neustadt mit der Broschüre „Die Stadtteile Straßburgs: Das Herz der Neustadt“ (PDF).

Das Viertel lässt sich auf drei Rundwegen erkunden.

Die Hauptachse

Die Neustadt ist um eine 1500m lange Monumentalallee herum strukturiert, die die Place de la République (den ehemaligen Kaiserplatz) mit der Universität verbindet. Sie ist von den imposanten Gebäuden der wilhelminischen Macht gesäumt, die aus Straßburg die Hauptstadt des Reichslandes Elsass-Lothringen machten sollten.

Gegenüber des Universitätspalastes und seinem weitläufigen Platz ließ der Stadtarchitekt Jean Geoffroy Conrath den Kaiserplatz anlegen: Gegenüber der politischen Macht des Kaisers die Macht des Wissens. Entlang der monumentalen Allee befinden sich repräsentative Gebäude sowie die Garnisonskirche St-Paul, deren Vorplatz einen herrlichen Aussichtspunkt auf die Ill und die Altstadt bildet. An dem in der Verlängerungsachse der Altstadt angelegten Kaiserplatz befanden sich die kaiserliche Residenz und die offiziellen Verwaltungsgebäude des Reichslandes Elsass-Lothringen.

Der Bezug zum Wasser und zur Altstadt

Bei dem wilhelminischen Erweiterungsplan wurden die Altstadt und das Wasser durch folgende Maßnahmen einbezogen:

  • Verbreiterung der Straßen, die zur alten Stadtmauer führen
  • Bau neuer Brücken und Stege über den Fossé du Faux-Rempart

An Ende des 19. Jahrhunderts hatte das Wasser, einst Lebensnerv der Stadt, seine wirtschaftliche und militärische Bedeutung verloren. In der neuen Stadt wurde es zu einem Element der Zierde und der Inszenierung. Mit zahlreichen Brücken über die Ill wurde die Verbindung zwischen Altstadt und Neustadt hergestellt

Die Stadtplaner entwarfen zwei getrennte Ebenen: für den Verkehr hohe Quais mit Blick auf die wichtigsten Bauwerke der Neustadt und tiefgelegene Uferpromenaden für romantische Spaziergänge im Schatten der Bäume.

Die Prachtvillen

In der Neustadt wurden für die neue Bevölkerung Villen und herrschaftliche Häuser gebaut. Eine Hauptstadt sollte entstehen - und so wurden Hauptstädte wie Berlin, Paris und Brüssel als Vorbild genommen. Die Neustadt bietet heute ein imposantes Panorama an europäischen Einflüssen.

Die Häuser in historisierendem Stil wurden mit Erkern oder Türmchen versehen, um wichtige Straßen zu markieren. Mit Giebeln wurden bestimmte Perspektiven erzeugt und Fundamente und Vorgärten sollten die Erdgeschosse vom öffentlichen Raum und den Bürgersteigen trennen. Zahlreiche repräsentative öffentliche Gebäude wurden zwischen die herrschaftlichen Häuser eingefügt, um die Bedeutung bestimmter Straßen hervorzuheben.

> "Die Straßburger Neustadt: Einzelprojekte zum Kulturerbe vereint" herunterladen.

> "Die Universität Straßburg - der Campus Zentrum" herunterladen.

> "Grande-Île und Neustadt: Die verschiedenen Einflüsse" herunterladen


 
 
Kennzahlen

Die von der UNESCO geführte Liste des Welterbes umfasst:

  • 962 Denkmäler in 157 Ländern, davon 754 Kulturdenkmäler, 188 Naturdenkmäler  und 29 Denkmäler aus Kultur- und Naturerbe (Stand 2012).
  • In Frankreich sind das 37 Denkmäler, davon 33 Kulturdenkmäler, 3 Naturdenkmäler und 1 Kultur- und Naturdenkmal.
Quelle: Liste der Welterbestätte